Tagebuch

Samstag 39/2019

Das Wochende klopft an. Besonders verlockend sieht es nicht aus. Zumindest Wettertechnisch. Der Berg ist fest verhüllt in Nebel, der Rest ist grau und stürmisch. Nur ein kleiner Streifen an der Hügellandschaft zeigt etwas Sonne. Ob die Sonne es überhaupt schafft, sich heute hier blicken zu lassen, bezweifel ich allerdings.

Der Stromanbieter hat seine Abrechnung geschickt und ich darf, wie nicht anders zu erwarten, nachzahlen und bekomme wieder einen höheren Abschlag.

Weitaus nerviger ist das Schreiben von Gericht gewesen. Nach Einreichung der Unterlagen ist man nun der Meinhng, das ich die damals erhaltene Prozeßkostenhilfe nun erstatten kann. … ??? … Interessant an dem Schreiben ist nun, das man mir lediglich mitteilt, das ich ja 20€ monatlich bezahlen könnte, aber nicht schreibt, wie lange oder gar, um welche Summe es sich letztlich handelt … 🤦🏼‍♀️ … Statt dessen habe ich Zeit, Stellung dazu zu nehmen.

Das ich diese Berechnungstabellen so gar nicht verstehe, erklärt sich von allein. Auch nicht, das mir Minis Kindergeld und Unterhaltsvorschuß als Einkommen angerechnet wird. Ein Umstand, den ich noch nie verstanden habe und auch schon immer sehr ungerecht fand.

In meinem Fall werde ich nun dafür bestraft, das ich Mini zu mir geholt habe, denn zuvor brauchte ich keine Kosten erstatten.

Nächste Woche werde ich halt mit der netten Dame vom Gericht telefonieren und hören, was Sache ist und natürlich werde ich schriftlich Stellung dazu nehmen.

Die Rückkehr zur alten Wirkungsstätte verursacht leichte Freude. Schon die Tage, als ich dort war und mit meinem Bienchen gesprochen habe, war ich stolz auf sie. Es hat einige Zeit gedauert, bis sie sich an mich gewöhnt, warm mit mir geworden war und auch Tips von mir angenommen hatte.

Das sie das eingeführte System weiterführt und drauf achtet, macht mich schon etwas stolz. So verkehrt und falsch, kann es also nicht gewesen sein … 😊

An der Tankstelle herrscht akuter Personalmangel. Eine weitere Aushilfe hat gekündigt, eine andere ist gestern ins Krankenhaus gekommen. Nabelbruch. Ob mich das beeindruckt? Erstmal nicht. Ich springe ja gern mal ein, aber so oft geht auch nicht, weil ich ja Mini immer mitnehmen muss.

Nächste Woche wird es im „Schillerhain“ einen Runden Tisch geben, von unserer MST – Therapeutin ins Leben gerufen. Die Kernfrage ist, welche ambulanten Maßnahmen von dort für Mini angeboten werden können, um mich zu entlasten und Mini zu födern.

Große Hoffnung setze ich nicht in das Gespräch. Alles, was es so gibt (zweifellos eine Menge an Angeboten!) ist zu 08/15 und passt nicht. Wie so oft zeigt sich gerade daran, das, bei allen tollen Maßnahmen und Angeboten, Mini durch das Raster fällt oder gar nicht tragbar dafür wäre …

Gerade was Mini angeht fehlt mir momentan Zuversicht. Noch immer sind wir meilenweit davon entfernt, so etwas wie „Normalität“ in ihrem Leben zu haben. Normalität scheitert schon an den so einfachen Dingen wie Schule. Es gibt keinen Schulplatz. Toll, und nun? Ja, keine Ahnung, ist so.

Es ist ein Schxx – Thema, das mich zunehmend frustriert. Denn egal, wo und wen man um Hilfe und Ideen anfragt, kommt nur Ratlosigkeit und Schulter zucken. Wenn danach zumindest der Antrieb kommen würde, sich umzuhören oder zusammen zu setzen, um zu besprechen, was man machen könnte, wäre ich nicht so frustriert oder resigniert.

Auch der Zeitfaktor spielt eine Rolle. Was nutzt mir und Mini eine Maßnahme, die irgendwann nächstes Jahr eventuell, vielleicht, einen Platz hätte, wenn in der Zwischenzeit so gar nichts passiert? Und was nutzt mir ein „Notfallprogramm“, wenn noch nicht mal sicher ist, ob dort tatsächlich ein Platz frei wird?

Natürlich gibt es auch noch andere Kinder, die Hilfe benötigen, ohne Frage. Und es ist mir auch klar, das freie Plätze nicht auf Bäumen wachsen.

Aber ganz ehrlich? Das Elend anderer geht mir momentan, zumindest wenn es um Mini geht, am Arsch vorbei. Was nämlich offensichtlich an den ganzen Stellen vorbei geht ist die Tatsache, das Mini nicht nur kurzfristig Hilfe benötigt. Was toll wäre. Nein, sie wird immer auf Hilfe angewiesen sein.

Egal jetzt. Tür zum Keller wieder zuschließen und sich mit dem täglichen Kram ablenken und im Kreis routieren.

Es geht mir gut, danke. Guck, ich lächel sogar. Alles halb so schlimm.

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21 Kommentare zu „Samstag 39/2019

    1. Theoretisch ist das so.
      Jetzt ist es bei Mini aber so, das sie ein Fördergutachten hat. Damit fällt normale Schule schon mal weg.
      Die nächste Hürde – die Förderschule. Mit hat Förderbedarf im Sozio-Emotionalen, damit fallen Schulen mit Schwerpunkt Lernen eigentlich raus. Eigentlich, weil diese Schulen mit Hilfe, also Schulbegleitung etc. auch diese Kinder nehmen können, wenn sie Platz haben und wenn sie dazu bereit sind.
      Schulen mit Schwerpunkt SE sind rar und zudem auch meist an eine Trägerschaft gebunden und damit kostenpflichtig. Aber auch hier sind die Plätze begrenzt und wenn kein Platz frei ist, ist keiner frei. Hinzu kommt, das sie einen nicht nehmen müssen, da private Träger.
      Und um es noch lustiger zu machen …
      Hausbeschulung ist zwar möglich, geht aber zur Zeit nicht, da es keine Förderschullehrer gibt …
      Alles was man jetzt machen kann ist lediglich eine Notlösung.
      Schulpflicht hin oder her … Hier wird sie quasi ausgesetzt.

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      1. Es ist ein Paragrafen – Dschungel, wo keiner für irgendwas zuständig ist 🙈
        Kompliziert? Na ja, das ist es nur weil hier eben nichts 08/15 ist, wie von den Bürokraten gewünscht …
        Dit auch ein schönes Wochenende … 😚

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      1. Der ADD ist ja zwischenzeitlich eingeschaltet, aber bis von da eine Entscheidung vorliegt, kann es auch noch dauern.
        Ich lass den Kram nochmal sacken und denke, das ich nicht drumrum komme, tatsächlich in den „Krieg“ ziehen zu müssen, um den Leuten mal Feuer unterm Hintern zu machen …

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  1. Also dass das Kindergeld als Einkommen angerechnet wird ist mir auch neu. Bei mir damals galt das nicht als Einkommen. Da gab’s großes Trara mit der Bank. Kopfschüttel. Die drehen alles so wie sie es brauchen, wie sie eben an Geld kommen können. Mal so, dann man wieder so. Aber mein Fall liegt nun auch schon fast 20 Jahre zurück, da kann sich ja doch was geändert haben … in deinem Fall zum schlechteren. Shit.

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    1. Auch wenn man in die Verlegenheit kommt Hartz4 beantragen zu müssen, wird das voll angerechnet.
      Was bisher frei davon ist, ist das Pflegegeld. Aber ich bin inzwischen soweit, das ich glaube, das es da auch schon Pläne für gibt, um das als Einkommen anzurechnen.
      Laut der Berechnung habe ich sage und schreibe 40€ zuviel …

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  2. Das mit der Schule ist ja echt schlecht … keine passende Schublade vorhanden, wo sie Mini rein tun können … und dann geht halt gar nix mehr …
    Daumen drück , dass sich eine Lösung findet 👍
    Und mit dir fühl mit dem ganzen Kack , den du zu bewältigen hast ❤

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