Tagebuch

Sonntag 42/2019

Kurz vor sechs und stockfinster. Die Laune? Grinchig. In Anlehnung an den Film „Der Grinch“. Ich frage mich kurz, wie es nächsten Monat sein wird, wenn es noch später hell wird. Bäh … Das ist echt nicht meine Jahreszeit.

Dann kommt ja auch wieder die Zeitumstellung … Die, die eigentlich abgeschafft werden sollte, deren Abschaffung aber auf sich warten läßt, weil … Man kann sich ja auf keine Zeit einigen … 🤦🏼‍♀️

Das Theater ist fast so gut wie der Brexit. Nur das der Brexit langsam zum Possenspiel verkommen ist, während die Zeitumstellung ein am Rande stattfindendes Ereignis darstellt.

Ich bin voll. Voll mit Gedanken und übervoll mit Dingen von außen. Kein Wunder das meine eigene Laune übel ist. Wie soll man Spaß haben, Gedanken weiter zu verfolgen oder tolle Beiträge zu verfassen, wenn einem Dinge gedanklich in die Quere kommen, die a.) so gar nichts mit dem Ursprungsthema zu tun haben und b.) als Bonus quasi auch noch emotional behaftet sind?

„Fr. H., sie dürfen ihre Selbstfürsorge nicht aus den Augen verlieren.“ … Ein Satz, den ich ähnlich wie Piri, nicht mehr hören kann. Auch hier meint man es nur gut mit mir. Dennoch … Wie soll ich gut zu mir sein oder fürsorglich, wenn es gefühlt 1000 Baustellen gibt, die alle meiner Präsenz bedürfen?

Wenn ich meine Augen schließe, dann stehen sie da, ordentlich in einem Haufen, jedes Ding, jede Angelegenheit mit einer Nummer versehen und sofern sie merken, das ich sie anschiele, kommt Bewegung in den Haufen. Sie schreien, rufen nach Aufmerksamkeit und Erledigung ihrer Sache und wedeln mit der Nummer. Zuweilen gibt es Prügeleien untereinander, weil man sich die Nummern nicht gönnt oder Angelegenheiten ein seltsames Eigenleben entwickeln.

Öffne ich die Augen, denke ich mir oft, das es hier ja genauso schlimm, wenn nicht sogar schlimmer zugeht, wie da drinnen. Hass, Nazis, Mord und Totschlag, Plastik, Klimawandel, Artensterben, Altersarmut, Ungerechtigkeiten, Menschenrechte … Ich mag noch nicht mal jetzt die Liste weiter führen, den sie wäre ewig.

Zwischendrin zucken Gedanken durch, die mich kurz innehalten lassen. Warum ich mich hinter Mauern verschanze? Denen meiner Wohnung und denen, um mein Inneres? Ganz einfach … Weil ich nur bedingt in der Lage bin, den Mist von anderen zu ertragen. Weil es mir nicht reicht, mich nur innerlich abzugrenzen, sondern ich brauche auch den tatsächlichen Raum. Den dann, um meine „Ordnung“ um mich zu haben, die mir ein gewisses Maß an Ruhe und Sicherheit gibt. Und Kontrolle. Ich bin ein Kontroll – Freak. Und ich bin ein ganz schlechter Mitbewohner. Wie komm ich da jetzt drauf? … 🤔

Ich bin … Was? Keine Ahnung. Momentan bin ich alles und gar nichts, und das dann auch nur ansatzweise. Die Flipperkugel im Spiel, die fleißig überall aneckt, um Punkte zu sammeln.

Manchmal weiß ich noch nicht mal, WER von den Inneren nun gerade auf mich einflüstert, schreit und trommelt. Oft genug ist es das übergroße Ego, das gleich der Herzkönigin in „Alice im Wunderland“ schreit „Ab mit seinen Kopf!“ …

Das große Kind hat einen neuen Freund. Ich staune noch immer darüber. Ob es Bestand haben wird? Keine Ahnung, das wird sich zeigen. Auf der Rückfahrt beschäftigt mich das Thema wieder einmal über die Maßen. Wenn es doch sogar meiner Großen gelingt, trotz Minimi und all dem anderen Mist, jemand für eine Beziehung zu finden, sollte es doch auch mir möglich sein … 🤔

Am Ende der Fahrt war dieser Gedanke absolut durch. Er wurde furchtbar verprügelt und kroch als Verlierer vom Platz. Es gibt dafür keinen Platz und keinen Raum in meinem Leben, ich habe genug andere Dinge und Baustellen und brauch keine neue in Form einer „Beziehung“.

Komischerweise würden die Kids das ganz gerne sehen … 🤔

So, jetzt hol ich mir noch einen Kaffee, danach lege ich mich nochmal hin und werde den Tag mit nichts verbringen. Nichts tun, nichts unternehmen, einfach mal nichts …

3 Kommentare zu „Sonntag 42/2019

  1. Selbstfürsorge – was ist das für ein Fremdwort? Wenn einen von Außen die Wände eingebrannt werden, die man mühsam aufgebaut hat und die das Leben am Leben halten und Stabilität sind! Dein/mein Verhalten verstehen, unsere Sorge nachempfinden kann nur jemand, der in dergleichen Lage ist und dann nur ansatzweise, weil keine Sorge dieselbe ist.

    Ich wünsche dir um deinen weichen Kern ein dickes Fell – kuschelig mit Stacheln, wenn nötig und behalte deinen Humor. Du bist genau richtig und du machst deinen Sch..ßjob super. Das soll dir erst mal jemand nachmachen. Ich stehe jetzt auf und trink einen Kaffee in Gedanken mit dir.

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    1. Dann lass ihn dir schmecken, den Kaffee. Das Kompliment kann ich dir nur zurück geben, du machst einen tollen Job mit deinen Kids … ❤
      Ich mag deine Art, du bist völlig okay und liebenswert. Hab trotz deiner Sorgen einen schönen Sonntag 🍀

      Gefällt 1 Person

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