Tagebuch · Uncategorized

Freitag 48/2019

Was für eine Woche. Ich bin geschafft, aber zufrieden. Der erste Advent klopft an die Tür und ich habe keinen Adventskranz. Ich will auch keinen. Hatte ich die Jahre zuvor auch nicht. Okay, die Jahre zuvor war ich in dieser Zeit auch immer alleine … 🤔

Es passiert gerade so vieles und ich lass mich gerne von dem Trubel mitnehmen. Richtig glücklich und zufrieden bin ich erst, wenn ich täglich meinen „Teil“ zum Ganzen beitragen kann. Es gefühlt drunter und drüber geht. Mittendrin, statt nur dabei.

Beruhigte es mich zu erfahren, das ich alle möglichen Dinge unter einen Hut bekomme. Joar, war schon ein gutes Gefühl … 😁

Aber … ich will es nicht mehr 7 Tage die Woche. Ich will nicht wieder so ausbrennen, wie schon einmal erlebt. Ist nämlich auch Mist, wenn man nur noch um all die anderen Dinge kreist und man selber irgendwo verloren geht.

Ich hörte die Tage eine Frau sagen, das sie 19 Jahre lang nur Hausfrau und Mutter war. Das sie es gerne war und sich nichts anderes hätte vorstellen können und auch gar nicht anders gewollt hätte. Okay, dachte ich und fragte, ob ihr das nicht zu Langweilig gewesen sei. Ihre Antwort war, nö, was sollte daran langweilig sein?

Das war der Moment wo zweierlei mit mir passierte. Zum einen wurde mir klar, das ich mit diesem Menschen keine weiteren Berührungspunkte habe und Kontakt auf „Guten Tag“ und „Guten Weg“ beschränkt bleibt.

Und zum anderen drängte sich mir die Frage auf, wie man allein mit der Rolle einer Mutter und Hausfrau zufrieden sein kann. Und wie anmaßend es von mir ist, dies in Frage zu stellen.

Allerdings ist das Thema für mich noch nicht vom Tisch. So völlig losgelöst von der persönlichen Seite, fragte ich mich, was den Unterschied ausmacht, zwischen den Frauen, die mit der herkömmlichen, traditionellen Rolle vollkommen zufrieden sind, und denen, denen das nicht reicht und weiter beruflich eingebunden sind oder anderweitig nach Verwirklichung streben.

Welchen Anteil trägt dabei die Gesellschaft oder gar die Frauenbewegung, die für Gleichstellung und Emanzipation die Flagge schwenkten?

Ich für mich weiß, wie es ist „nur“ Hausfrau und Mutter zu sein. Es war eine interessante Erfahrung, mir aber zu langweilig und nicht die Erfüllung meines Lebens. Es zog mich wieder raus, ins Leben und die Arbeit. Ich wollte mein Leben nicht damit verbringen, Windeln zu wechseln, Kuchen zu backen und die „Mutter von …“ zu sein.

Ich sehnte mich nach anderen Themen, fern dieser Kinder/Haushalt – Geschichte. Ich hatte das Gefühl zu Hause zu verblöden.

Zudem komme ich aus einem Elternhaus, da legte man Wert auf Selbständigkeit. Schule, Ausbildung, Führerschein. Alles Dinge, auf die meine Eltern drängten. Mein Vater selbst brachte mir diverse Dinge bei, „männliche“ Sachen und sagte mir nur, das sollte man auch allein können.

War das der Grundstein dafür, das ich jetzt, heute, zu den Frauen gehöre, die nicht auf einen Mann als „Versorger“ oder „Kümmerer“ angewiesen sind?

Ich weiß es nicht, aber ich habe ja auch noch genug Zeit, darüber nachzudenken … 😁

Wie seht ihr das? Warum ist es für die einen völlig unverständlich, das man „nur“ Hausfrau und Mutter ist, während andere es als Sinn und Bestimmung ansehen? Und warum sind es eigentluch nur Frauen, die zu Hause bleiben? Gibt es vielleicht auch Männer, die mit dieser Rolle als „nur“ Vater und Hausmann glücklich wären?

Oder scheitert dieser Gedanke und Umsetzung an der Gesellschaft? Der Vorstellung daran, wie es sein muss? Wie lange dauert es, bis sich das, was bisher ungewöhnlich und komisch war, zur Normalität in der Gesellschaft wandelt? (So wie Tattoos. Die waren „früher“ verpönt und wurden den Ausgestoßenen der Gesellschaft zugeordnet. Heute? Da ist es eher ungewöhnlich, kein Tattoo zu haben.)

Was ist es letztlich, was darüber entscheidet, ob man mit dem „nur“ zufrieden ist oder weiterhin nach anderen Dingen strebt?

Werbung

16 Kommentare zu „Freitag 48/2019

  1. Ich kenne zwei Männer, die beide ein komplettes Jahr lang aus ihrem Job ausgestiegen sind, um die Erziehungszeit zu übernehmen – und zwar mit allem, was dazu gehört – sie waren quasi die Hausfrauen! Beide waren begeistert von dem Jahr und traurig, als die Zeit rum war. Sie mussten jedoch wieder im Job einsteigen, da sie das höhere Gehalt haben und daher nicht auf Dauer hätten tauschen können! Seit dem haben sie beide wesentlich mehr Respekt vor dem Beruf ‚Mutter und Hausfrau‘, weil es eben KEIN Zuckerschlecken ist, wenn man ein ‚Familienunternehmen‘ 24/7 leiten muss. 🙂

    Gefällt 2 Personen

      1. Ja, weiß ich! Es kamen eigentlich alle sehr gut damit klar – sogar die jeweiligen Ehefrauen, wobei die zeitweilig ein wenig gelitten haben, da sich der Kontakt zu den Kindern ein wenig verändert hat – die Mamas haben halt nicht mehr die Fäden in der Hand gehabt. 🙂

        Gefällt 1 Person

  2. Ich könnte es mir auch nicht vorstellen nur daheim zu sein und Alles und Jeden 24/7 zu versorgen. Mir würde etwas fehlen, auch wenn diese Aufgabe sehr ausfüllend ist. Ich denke das liegt an unserer Zeit. In den 50ern war es ja noch gang und gäbe, das man Hausfrau und Mutter war und sonst keinem Beruf nachging. Da ging das finanziell auch noch. Heute kann sich doch keine Familie mehr leisten nur von einem Gehalt zu leben. Es sei denn, der Mann ist ein Spitzenverdiener. Es gibt bestimmt Frauen die in dieser Hausfrauenrolle total aufgehen. Das sollen sie auch, das dürfen sie auch. Aber bei den meisten hat sich die Denkweise verändert, sich unserer jetzigen Zeit angepasst, auch wenn es finanziell nicht nötig wäre. Man möchte sich doch weiter entwickeln, mehr erleben als nur die eigenen 4 Wände. Und dann kommt es immer darauf an, was man vom Elternhaus vorgelebt bekommen hat.
    Natürlich gibt es auch noch diese Fälle, in denen eine oder mehrere Personen gepflegt werden müssen. Da ist man auch voll und ganz eingespannt, und da bleibt oft kein Platz für andere Aktivitäten.

    Gefällt 1 Person

    1. Mir fehlte auch etwas. Trotz der Arbeit und den Anforderungen zu Hause.
      Dies „Früher“ ist noch gar nicht lange her und doch scheinen wir in Deutschland hinter dem, was möglich wäre, hinterzuhängen. Sei es die Betreuungs – oder Pflegesituation. Von der beruflichen Aussicht mal ganz zu schweigen.

      Gefällt 1 Person

  3. Ich seh da gar nicht nur die Traditionelle Rolle
    Mir sind Menschen völlig unverständlich, die sich langweilen , wenn sie nichts „zu tun haben“
    Was ist dieses „zu tun haben“ ?
    In meinem Verständnis Sachen , die ich machen muss … arbeiten zum Geld verdienen , Probleme lösen ….
    Ich bin heilfroh , wenn ich nix machen MUSS
    Dann kann ich machen , was ich WILL 😊
    Und dazu bräuchte ich noch nicht mal einen Haushalt und Kinder

    Gefällt 2 Personen

      1. Schnecke, ich bin da ganz deiner Meinung. Etwas „tun“ hat für mich auch nicht zwangsweise etwas damit zu tun, Geld zu verdienen.
        Jemand, der kreativ etwas erschafft oder sich ehrenamtlich einsetzt, tut schließlich auch etwas 😉

        Gefällt mir

  4. Ich wäre auch gerne „nur“ Hausmann und Vater gewesen,
    jedoch hatte da unser auf Profit und Kohle ausgerichtetes System etwas dagegen.
    Und glaub´mir, ich wäre mit Sicherheit nicht verblödet,
    sondern hätte mir „mehr Wissen, Bücher, Informationen reinziehen können“,
    als bei diesen blöden, wie komplett limitierenden 8 oder mehr Stunden Tagen,
    wo ich leer dahin vegetiert bin.

    Die Kinder hätten von dieser „Bildung dann auch mehr gehabt und erst recht von ihrem Vater …
    Die Zeit wäre allemal vorhanden gewesen und Fremdbestimmung wäre erstrecht ein Fremdwort gewesen – im Gegesatz zu den diversen „abhängigen Beschäftigungen“ und selbst in der Zeit als kleiner, mitteständischer Unternehmer.

    So muß ich jetzt und im Nachgang feststellen, daß dieses „Karriere machen“ NUR ein Verlustgeschäft ist, wo in Bezug auf mich und die „Vaterrolle“ leider einer Menge verloren gegangen ist,
    was man mit Geld nie und nimmer bezahlen kann …

    Alles Liebe ,
    Raffa.

    Gefällt 1 Person

  5. Die Bedürfnisse und Entscheidungen sind da sehr individuell. Ich habe mich immer sehr wohl gefühlt mit meinen Kindern zu Hause. In den ersten drei Jahren mit Kind hab ich noch studiert bzw. Referendariat gemacht. Danach war ich nach wenigen Lehraufträgen zu Hause. meine älteren Kinder hatten so auch die Freiheit, mal nicht in den Kindergarten zu gehen, wenn sie keine Lust hatten. Später haben sich die Notwendigkeiten geändert. Nie hatte ich das Gefühl, zu verblöden. Ich hatte die Möglichkeit, viel zu lesen, neu zu lernen und Kaffeekränzchen mit Windelgesprächen gab es nicht. Eher mal Lese- oder Gesprächsrunden zu gelesenen Büchern. Viel Musik, viel Lachen. Zeit für Laienspielgruppen und Sportabende. Leben nach meinem inneren Plan, also mit den Kindern. Der Mann war meistens nicht anwesend, was unbeschwerte Stunden ermöglichte.
    Nun gut, ich hatte neben Haushalt, Kindern, zeitweisen Pflegekindern und Gemüsegarten noch eine Bauträgergesellschaft und dadurch Verhandlungen mit verschiedensten Stellen zu führen, Verträge zu schließen. Dadurch war ich auch nie isoliert. Das hat mir schon Spaß gemacht, ich betrachtete es wie ein Spiel.
    Übrigens sehe ich in vielen Berufen keine Möglichkeit zur persönlicher Weiterentwicklung. Bei vielen Lehrern vermisse ich diese schmerzlich. Sie hätten die Möglichkeit, nutzen diese aber wenig.
    Am meisten bedaure ich, dass in dieser Zeit meistens weder Mann noch Frau eine Entscheidungsmöglichkeit haben.

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s