Tagebuch

Samstag 25/20

Ich bin müde und zerschlagen. Im „Innern“ rumort es und doch ist der Kopf seltsam leer. Die Fahrt zur Klinik und zurück hatte beide Male etwas abenteuerliches an sich. Ist der Weg hin schon recht kurvig, war dieser heute ab einer gewissen Stelle gesperrt. Die Umleitung? Ich hoffte immer nur, das ich hier jetzt keine Panne habe … Wenn man da tot übern Zaun hängt, fällt das erst Wochen später auf, um es mal überspitzt darzustellen.

Umleitungsschilder? Joar … die gab es, alle 10 km, zu Beginn einer Ortschaft und danach wieder nichts. Außer Wald und Kurven. Unnötig zu erwähnen, das ich schimpfte wie ein Rohrspatz, oder? Wäre ja zuviel verlangt, eine Streckensperrung per Hinweisschild im Vorfeld anzukündigen, oder?

Für den Rückweg dann für die Autobahn entschieden. Lassen wir das einfach. Zuerst ließ mich das Navi Straßensperren umfahren ( Was sonst?), nur um auf der Autobahn in einer Baustelle zu landen, die Tempomäßig auf 50 gedrosselt war … 🤦🏼‍♀️ …

Wasser für meine Mühlen. Über die Deutschen und ihre Baustellen. Baustellen, an denen am Wochenende nicht gearbeitet wird und trotzdem ein Tempolimit besteht. Joar, mit Logik haben es die Planer. Merkt man nicht nur an den Baustellen … 🙄

Beim Tanken wurde weiter am Geduldsfaden gesägt. 6 Säulen insgesamt, alle belegt und ein Kunde mit Sonderwünschen, der alles aufhielt … Ich stelle fest, wenn es läuft, läuft es richtig. Bingo! Ich stand natürlich hinter dem Auto, dessen Fahrerin eine Senorin war … 🤦🏼‍♀️ … Zumindest keine Klischeeerfüllung, von wegen alter Opa mit Hut. Nein, dafür Oma mit Handtasche. Es dauert ewig, bis die Dame im Auto Platz genommen und eine weitere Ewigkeit, bis sie endlich davonfuhr.

Im Anschluß ging’s zum Discounter, weil irgendwas muss ich ja essen, auch wenn der Appetit eher mäkelig, bis gar nicht vorhanden ist. Aber was soll’s. Rauf auf den Parkplatz und am liebsten gleich wieder gefahren … 🙄 … Eine Suv – Karosse nach der nächsten, auf der Suche nach dem nächsten Parkplatz direkt am Eingang. Der vor mir schien eine Einladung zu erwarten, zumindest fuhr er lange Zeit gar nicht. Stand aber so gut, das man auch nicht an ihm vorbei kam. Ich trommelte schon aufs Lenkrad, der Wunsch zu hupen war schon da, aber bevor ich den Fahrer wecken konnte, fuhr er endlich weiter. Bis zum Eingang … Dort entließ der Fahrer seine Seniorenbeifahrerin, damit diese schon mal in den Laden schlurfen konnte.

Zum Parken benötigte man dann 2 Stellplätze. Wahrscheinlich weil der Wagen so breit war, oder so … 🤔

Während ich mir einen Einkaufswagen hole, denke ich noch, fehlt nur noch, das beide Automaten mit Pfandflaschen – Junkies belegt sind (Damit meine ich jene Mitbürger, die gern mit 4 oder noch mehr Säcken Pfandflaschen auftauchen). So, und jetzt darf geraten werden … Hatte ich Glück und die oder zumindest ein Automat war frei. Oder waren beide tatsächlich belegt mit Pfandflaschen – Horter oder aber Glücksticket, es funktionierte eh nur ein Automat und der war dann auch noch durch einen Sammler blockiert …

Alle die sich für Variante 3 entschieden haben … GLÜCKWUNSCH! Von meinem Geduldsfaden war dann im Verlauf der Warterei nur noch ein Hauch vorhanden und ich fragte mich, zum wiederholten Male, warum hortet man Pfandflaschen? Warum kann man die nicht bei jedem Einkauf entsorgen? Gehen die nur alle 2, 3 Wochen einkaufen?

Endlich durfte ich auch und oh Wunder! Der Automat nahm meine Dosen an. Eigentlich hatte ich ja erwartet, das er piepte und signalisierte, das der Auffangbehälter voll sei. Aber gut. Rein in den Laden, Sachen eingepackt und zur Kasse. Zum Auto und nach Hause.

Dann den Beitrag von Regine gelesen und mir gedacht, joar, in die geheime, stille Rassismusfalle tappe ich auch. Manchmal auch nur in die Klischeefalle oder dem Schubladen – Denken.

Der Beitrag von MadeinHeaven entlockt mir nur ein müdes Lächeln. Ja, die Innenstädte sterben aus, Karstadt – Galeria erst der Anfang. Aber … Für jemand wie mich, der Menschen eh nur in gewissen Dosen ertragen kann, ist Online – Shopping ein warer Segen. Keine Parkplatzsuche, kein Gedränge, keine widerlichen Gerüche ( Manche Mitmenschen muten einem echt was zu!) und das tollste … Keine Menschen!

Natürlich bin ich mir der Problematik bewußt, die durchs Online – Shoppen entsteht, gerade auch durch die Rücksendemengen, aber auch hier die Frage, wenn nicht der mündige Bürger entscheidet, wer soll es dann tun? Der Staat? Und sich im Gegenzug anhören, das er zu sehr in die Rechte des Einzelnen oder gar in den Wettbewerb eingreift?

Bäh … alles so futchtbar interessante Themen und was ist los? Mein Kopf ist leer und im innern wird sich unwirsch weggedreht und das eigene Universum betrachtet. Mir scheint dies gerade sehr viel dringlicher, als dieser „Muss mal kurz die Welt retten“ – Kram. Ich könnte fast den Eindruck gewinnen, das mich nun auch der Virus der Gleichgültigkeit erwischt hat, der gut bei 80% aller Menschen zu finden ist.

Und doch … Es gibt da einige Unterschiede und so gönn ich mir eine Pause und warte, bis sich die Wogen geglättet haben. Auch wenn die Oberfläche längst wieder ruhig ist, sorgt der geworfene Stein tief unten noch für aufgewühlten Boden …

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Freitag 25/20

Das Wochenende kratzt zaghaft an der Tür. Für mich unterscheiden sich die Tage nur dadurch, das ich zum einen Mini besuchen fahre und zum anderen arbeiten bin.

Heute möchte die Chefin die Vertretung mit mir durchsprechen, für die kommende Woche habe ich schon 2 zusätzliche Schichten bekommen. Aber es wird wohl eher um den Juli gehen, schließlich wird die Kollegin noch 4 Wochen ausfallen. Wenn es gut läuft und es keine Komplikationen gibt …

Ob sie danach überhaupt wiederkommt, ist sowieso fraglich. Sie hat sich ja schon immer etwas merkwürdig benommen und vielleicht hat sie ja die Schnauze voll … 🤔

Aber darüber muss ich mir nicht den Kopf zerbrechen … 😁

Inzwischen ist es Abend geworden. Der Tag verlief ohne weitere Zwischenfälle, auch Mini scheint sich zu fangen, zumindest kam kein Anruf … 😊

Allerdings hinterließ der Tag einige Fragezeichen und Gedanken mit Nachgeschmack. Wenn doch endlich mal Zeit für „mehr“ ist, warum nutzt man es dann nicht? Statt dessen deckt man sich mit reichlich Arbeit ein … 🤦🏼‍♀️

Ich übernehme erstmal 4 Schichten die Woche, die Wochenenden fallen dafür raus. Ob ich die vier Schichten nach dem 20. noch machen kann, ist völlig offen und hängt davon ab, ob Mini am 20. entlassen wird. Denn, so die neueste Info, die kranke Kollegin kommt nicht vor Mitte August wieder. Wenn dann alles okay ist, was ja auch keiner garantieren kann.

Mein Kopf ist so angefüllt, das ich momentan keinen vernüftigen Satz aufs Papier bringe. Sei es drum, ich muss morgen früh raus und verschwinde mal ins Bett … 😴

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Klinikalltag 3 … Einstellungssache …

Seit Montag bekommt Mini ihr Lithium wieder. Heute sagte die Ärztin das der Spiegel schon bei 0,6 liegt und damit schon mal den therapeutischen Bereich erreicht hätte. Merkte man auch beim Telefonat mit Mini. Sie war ruhiger, aber weinerlich und sehr nah am Wasser gebaut. Das kenne ich noch aus der ersten Klinik und der dortigen Einstellung.

Das weinerliche ließ aber schnell nach, so das ich recht entspannt bin. Der Stationsärztin sagte ich auch, das Mini erst wirklich gut mit einem Lithiumspiegel von 0,9 bis 1,1 zurecht kommt, also verträglich und zufrieden ist.

Der Besuch Samstag ist genehmigt, wird sogar gewünscht und wird dieses Mal besser vorbereitet, was mich sehr erleichtert. Über die Feuertreppe zu kraxeln ist echt nicht mein Ding … 😅 …

Es bleibt aber noch bei der zeitlichen Begrenzung, um nicht unnötig eine Überforderung zu forcieren.

Heute ist übrigens der erste Tag, an dem Mini bis jetzt ohne Eskalation hinter sich gebracht hat und den Wunsch äußerte, in den Gruppenraum zu dürfen. Das soll, wenn der Tag heute ruhig zu Ende geht und der morgige Vormittag auch ruhig bleibt, für Mini möglich gemacht werden. Natürlich unter Beobachtung, da man der Situation noch nicht ganz traut.

Ich werde langsam ruhiger und kann mich mit dem neuen Konzept auseinandersetzen und Strategien für zu Hause erarbeiten.

Und noch etwas fachliches aus dem Nähkästchen … Bipolare Störungen treten normalerweise erst nach dem 18. Lebensjahr auf … Es gibt für Mini’s Alter oder die anstehende Übergangszeit keine Einrichtung, die auf das Bild, das sie zeigt, eingestellt sind. Erst ab Erwachsenenalter … Mini damit der lebende Beweis ist, das es Sachen gibt, die laut medizinischen Erkenntnissen gar nicht möglich sind …

Ob ich gerade letzteres so gut finde? Eher nicht.

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Kartengeheimnisse … Die Zehn …

Die Zehn … Heute eine kleine Geschichte …

Manchmal, so wie jetzt, beneidete sie andere für ihr scheinbar „normales“ Leben. Dort schien alles geordnet und in geraden Bahnen zu verlaufen. Gleichförmig im täglichen Ablauf, ohne großartige Komplikationen oder gar Problemen.

Sie seufzte und stütze ihr Gesicht in ihre Hände. Starrte in die Gegend, ohne tatsächlich etwas von dieser aufzunehmen. Viel zu sehr war sie mit sich und ihrem Leben beschäftigt.

Sie glaubte, irgendwann auch mal so etwas gehabt zu haben. Ein geordnetes, gleichförmiges Leben. Glaubte sie und war sich gleichzeitig nicht sicher, ob das tatsächlich so war oder es lediglich eine Einbildung war. Die Erinnerung ihr einen Streich spielte.

Sie pustete sich die Haare aus dem Gesicht und richtete sich auf. Fakt schien zu sein, das sie ein Talent dafür hatte, seltsame Menschen anzuziehen, die ihr einfach nicht gut taten. Des weiteren schien es immer Chaos um sie herum zu geben, dessen Dreh – und Angelpunkt ihre Person zu sein schien. Das Chaos das sie um sich herum verbreitete, führte auch stets zu der ein oder anderen Katastrophe.

Auch wenn man fairerweise hinzufügen musste, das natürlich auch die diversen Menschen in ihrem Leben ihren Teil zum Chaos und den Katastrophen dazu beigetragen hatten.

Sie lehnte sich im Stuhl zurück und legte ihre Beine auf den zweiten Stuhl. Fakt war, sie hatte das Drama, Theater und vor allem das ständige Chaos satt. Bliebe die Frage, wie man mehr Ruhe und Beständigkeit ins Leben bekommt.

1000 gute Ratschläge fielen ihr dazu ein, aber das schien alles nicht zu passen. Oder, es schien zu passen, aber eine Stimme im inneren schien heftig dagen zu protestieren und aufzubegehren.

Sie verdrehte die Augen und schnaubte ärgerlich. Dies dämliche Herz. Kann es nicht einfach nur Blut pumpen und sich aus dem Rest einfach raushalten?

Immer wenn das dumme Ding mit von der Partie war, herrschte Chaos in ihrem Leben. Weil sie ihr Herz ständig an seltsame Leute verschenkte oder verlor … Wie auch immer. Das Herz schien nie ein guter Ratgeber zu sein. Und inzwischen war sie definitiv zu alt solche Eskapaden, hatte keine Lust mehr drauf.

Auch wenn mancher wieder sagen würde, es sei lediglich ein Ego – Problem, das, in ihrem Fall, riesengroß zu sein schien. Und das von jemanden, dessen eigenes Ego so riesig war, das selbst die Sonne dahinter verschwand …

Sie holte tief Luft. Oft genug hatte sie versucht, den Kreis zu verlassen, mindestens neun Anläufe hatte es schon gegeben. Und auch wenn in ihrem Fall aller guten Dinge nicht 3, sondern 10 waren, würde sie dieses Mal die Ausfahrt nicht verpassen …

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Donnerstag 25/20

Der erste Kaffee ist fertig und duftet vor sich hin. Nein, er wird mich nicht wecken. Soll er auch nicht. Ich will noch ein paar Stunden auf dem Sofa kuscheln. Und mich vollschnurren lassen …

Bevor ich das chaotische Level erreiche, dies, das zwangsläufig eintritt, wenn ich zur Ruhe komme und nichts mehr von außen überlagert wird, versuche ich dem entgegen zu wirken.

Schon die letzten Tage habe ich damit verbracht, all die fremden Sachen loszuwerden und ich werde immer besser darin. Es gelingt mir immer schneller und sicherer, das, was nicht „Meins“ ist auszusortieren. Es bringt aber auch eine gewisse Unruhe mit sich, denn nun drängen auch wieder Sachen ins Licht, die ich bis jetzt ignorierte.

Aber das ist okay. Ich habe jetzt Zeit mich auch mit diesen Sachen zu beschäftigen und gewisse Entscheidungen zu treffen.

Und ich habe Zeit, ein paar Sachen zu Ende zu bringen. Wie das Projekt „Kartengeheimnisse“. Ich finde es zwar noch immer ärgerlich, das alle Entwürfe verschwunden sind, andrerseits ist es auch okay. Ich habe schon einiges in petto, das nun verarbeitet werden kann.

Da ist noch ein gravierender Unterschied … Während ich sonst oft nicht wirklich wußte, wo es für mich eigentlich hingeht, bin ich mir jetzt sehr klar darüber, welchen Weg ich nehmen werde und … Ich verlasse den Kreisverkehr.

Die erste Übung dafür … Ich geh noch eine Runde schlummern … 😁 …